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Autor: Gudrun Graf am 23. Jul 2011 Der starke, fesche Mann mit seinen auf Stahl getrimmte Mukis: Achtung, ihr Frauen! Ihr lasst euch gerade von einem Kind verführen! Du glaubst, deine Infantilität sei hinter deinen Muskelmassen und deinem Bart gut verborgen, doch sobald du den Mund aufmachst, bist du ent-deckt! © Bild: Herakles |
Hilfloser Helfer
Geht es um Liebe und Gefühle, erkennt frau dich sofort an deiner Babysprache. Dein Eros verlangt nach einer Mama, dein Begehren ist Wärme, Nähe, Festhalten, Kuscheln, Klammern, Jammern. Und dieser Mann, kann ganz schön trotzig werden, wenn das Essen nicht so schmeckt wie bei Mami. Begegnest du einer Frau, die selbst ein Kind ist, dann bist du ihr Held und darfst sie retten, sie beschützen und dem kleinen hilflosen Wesen all das geben – was dir selbst als Bub gefehlt hat! Und wie als Kind herrscht in dir ein natürliches Verlangen, dass die Frau sich nach deinem Empfinden und deinen Stimmungen zu richten hat. Sie geht in deinen Besitz über und egal, ob du gerade einfühlsame Gespräche führst, in Spendierlaune bist, oder dein Bedürfnis nach Geltung auslebst – emotional bist du unsicher, reagierst schnell betroffen und brauchst Zuspruch. Die Frau tut gut daran, dir auch im Bett die Illusion zu lassen, du könntest ihr was beibringen. Ein falscher Ton, eine falsche Bewegung – und du verlierst deine Schein-Sicherheit. Am liebsten würdest du deine Partnerin nie wieder loslassen und jeder nur mögliche Gedanke einer Trennung erscheint dir wie eine Katastrophe. Die Worte „Du darfst nie wieder gehen“ und „Für immer“ werden zum Zwang. Wie ungerecht erscheint dir erst die Welt, wenn die Partnerin aus deiner manchmal erdrückenden Umklammerung flieht!
Wahre Partnerschaft heißt Geben und Nehmen. Innerlich bist du nicht wirklich bereit, das anzunehmen, was eine Frau dir zu geben hat!
Nun wird es Zeit, dich rückzubesinnen. Es ist nicht deine Frau, die für dein Unglück verantwortlich ist, sondern dein Verhältnis zu deiner Mama. Entweder ist nur jenes gut, was diese gab, oder aber du lehnst sie ab. Dieses Bild hast du auf deine Partnerin übertragen und hier steckst du lange fest. Dein Gefühl übernommen aus deinem Herkunftssystem bestimmt dein Bedürfnis, dazuzugehören und deine Erwartung, für deine opferbereite Liebe etwas zurückzubekommen. Schließlich ein unsanftes Erwachen, wenn du einsehen musst , dass du mit „Leid“ gegeben hast – und es dafür keinen Dank gibt, dass deine Rechnung – ich gebe, damit ich bekomme – nicht aufgegangen ist und deine Partnerin zwar ein schlechtes Gewissen hat, jedoch gut ohne deine Hilfe leben kann!
Die Emanzipation beginnt, wenn du dich von deinem sentimentalen Phlegma befreist, nicht mehr erwartest, kindlich versorgt zu werden. Es ist schwer aus seinem geistigen Schrebergarten hinauszuwandern. Das vorwurfsvoll quengelnden männliche Wesen, welches sich haltlos hingibt, regeneriert nicht durch Veränderung der anderen, sondern an der Arbeit an sich selbst.
Es bedeutet Disziplin, nicht mehr Spielball der Umwelt zu sein, sich Abzugrenzen – weder sich beeinflussen zu lassen oder zu wollen. Das Geschenk ist, dass du trotz gefundener Eigenständigkeit besonders hingabefähig bleibst. Dann nehmen wir deine Gabe des Mitgefühls gerne an!
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