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Der Humus und seine entscheidende Rolle in der Natur - Teil 1

auch guter Wein braucht gesunden Boden Autor: Dirk Osada am 30. Jun 2009
Eine der größten Schwierigkeiten für das Verständnis des biologischen Gedankens ist die Ablehnung der wasserlöslichen Düngersalze. Der Laie und der konventionell wirtschaftende Landwirt finden es zwar ganz natürlich, Kunstdünger anzuwenden, wo doch der Erfolg scheinbar sofort deutlich sichtbar wird, während er sich im biologischen Kreislauf oft nicht so rasch einstellt.

Zur Klärung dieser Frage bedarf es zunächst der Begriffsbestimmung des Kunstdüngers. Der Biologe versteht darunter  n u r  die wasserlöslichen, die Schleimhäute verätzenden und auf der Haut „brennend“ wirkenden Salze, die eine Konzentrationserhöhung im Boden bewirken.

Die Erhöhung der Konzentration der Bodenlösung erfolgt zunächst rund um die Kunstdüngerkörnchen, und dann sich verallgemeinernd. Die Regenwürmer sind die ersten Opfer durch Verätzung ihrer Schleimhäute, und damit verlieren wir unsere wichtigsten humusbildenden Pioniere. Das zweite Opfer sind die empfindlichen Boden- und Wurzelbakterien, die schwer geschädigt werden und zugrunde gehen. Noch ehe die gelösten Nährstoffe die Wurzeln erreichen, trifft die erhöhte Konzentration die Wurzelsymbionten und schaltet sie aus. Damit wird der Kreislauf des Lebens an seiner empfindlichsten Stelle unterbrochen.

Der Ionenaustausch zwischen den Wurzelzellen und der Außenlösung geht unter annähernd gleichen osmotischen Druckverhältnissen vor sich. Wird nun die Konzentration der Bodenlösung durch den Kunstdünger stark erhöht, müssen die Pflanzen auch mehr Wasser aufnehmen, um diese erhöhte Konzentration verkraften zu können. Man spricht von der „induzierten Sukkulenz“ (Saftfülle) der Pflanzen, von der erzwungenen Aufschwemmung des Gewebes. Es liegt auf der Hand, dass die mit der Zwangsosmose beabsichtigte Mehraufnahme von Nährstoffen – die Grundlage der chemischen Düngungsmethode – mit unkontrollierbaren Einseitigkeiten und Störungen der inneren Lebensvorgänge verbunden ist!

EIN EINFACHES BEISPIEL AN UNS MENSCHEN

Man kann sich diese Wirkung etwa an folgendem Beispiel verdeutlichen: angenommen den Fall, ein Mensch bekäme eine stark versalzene Suppe vorgesetzt und würde gezwungen, sie zu sich zu nehmen. Eine Reizung bzw. Entzündung der Magenschleimhäute und ein damit verbundenes Durstgefühl wären die Folge. Dasselbe widerfährt der kunstgedüngten Pflanze. Sie  m u ß  mehr Wasser aufnehmen, um forcierte Nährstoffaufnahme in Pflanzensubstanz verwandeln zu können. Die biologische Ernährung der Pflanzen hingegen ist wesentlich wassersparender.

Bedenklich auch ein Vergleich aus medizinischer Sicht: keinem Arzt würde es einfallen, eine stärkere Injektion zu geben als dem isotonischen Druck entspricht; setzte er sich darüber hinweg, würde dies verheerende Folgen haben. Die Kunstdüngerleute glauben jedoch, sich Konzentrationserhöhungen in der Bodenlösung gefahrlos leisten zu können. Die unerwünschten Nebenwirkungen aber, die der Konzentrationserhöhung im Boden folgen, sind langfristig und weitreichend. Das Bodenleben, Kleinsttiere, Mikroorganismen werden geschädigt und dezimiert, das ökologische Gleichgewicht wird gestört; das, was Liebig als die „organische Widerstandskraft“ (die Immunität) der Pflanzen bezeichnete, geht verloren, Krankheitserreger und Schädlinge bekommen freie Bahn und veranlassen uns zum Einsatz chemischer, giftiger Spritzmittel. Der Reigen, oder besser der Tanz mit dem Teufel beginnt: Kunstdünger, Spritzmittel, Heilmittel!

Diese Veränderung der Konzentrationsverhältnisse löst nun unkontrollierbare und komplexe Antagonisten- und Synergisten- Prozesse aus.

WAS CHEMISCHES FÜR FACHLEUTE ODER INTERESSIERTE

Gemäß dem Gesetz der Polarität aller Lebensprozesse haben alle Mineralstoffe eine paarweise entgegen gesetzte Wirkung auf die Steuerung aller Lebensvorgänge, die bei der Nährstoffaufnahme im Boden beginnt. So hat z.B. das Kalzium (Ca) eine dem Magnesium (Mg) entgegen gesetzte Wirkung. Das Kalium (K) hat als Antagonisten das Natrium (Na), der Stickstoff (N) den Schwefel (S) usw. Das Übergewicht des einen Faktors kann den anderen hemmen oder seine Aufnahme verhindern und blockieren.

Es kommt also in der (biologischen) Praxis darauf an, diese unkontrollierbaren Antagonisten-Prozesse so weit als möglich zu  v e r m e i d e n.  Die Natur selbst bietet uns dafür eine glänzende Möglichkeit: da die biochemischen Abläufe in allen Zellen dieselben sind, werden auch in den Einzellern der Mikroflora das Bodens die Mineralstoffe, insbesondere die seltenen Spurenelemente, in die Aminosäuren eingebaut und den Pflanzen durch die Aufnahmemöglichkeit in ganzer Form dargeboten. Der Pflanze fällt es nun viel leichter, ihre arteigenen Eiweiße und andere hochorganische Verbindungen herzustellen, wenn sie auf die Vorarbeit der Mikroflora zurückgreifen und aus der dargebotenen Fülle die notwendigen Bausteine selbst auswählen kann. Wird indes durch Erhöhung der Konzentration der Bodenlösung die Mikroflora ausgeschaltet oder geschwächt, so muß  die Pflanze selbst aus den anorganischen Elementen alle komplizierten organischen Verbindungen herstellen. Wer garantiert denn dafür, dass in der Bodenlösung alle Spurenelemente in der richtigen Dosierung vorhanden sind?

DIE BEDEUTUNG FÜR UNSERE BÖDEN UND DEREN FOLGE

Bei der Lösung und Ionisierung der Kunstdüngermittel kommt es unweigerlich dazu, dass ein Teil der freiwerdenden Säure Ionen vor ihrer Aufnahme in die Wurzeln mit dem Dauerhumus in Berührung kommt und ihn auflöst. Dies gilt vor allem für die Stickstoffdünger in Nitratform. Bei ihrer raschen Lösung kommt es stets zur Freisetzung der starken Salpetersäure Ionen, die aus den Tonsilikaten die Metalle herauslösen. Damit jedoch werden die Krümel aufgelöst und die wichtigste Ernährungsquelle der Pflanze, der Dauerhumus, bricht zusammen. Sobald die schwammige oberflächenreiche Struktur des Dauerhumus verloren geht, werden die von ihm festgehaltenen Schwarm Ionen freigegeben und ausgewaschen. Dadurch verliert der Boden sein Festhaltevermögen, der eingebrachte Kunstdünger wird nicht mehr vorübergehend festgehalten, sondern rinnt förmlich durch den Boden, der so zum durchlaufenden Konto der Kunstdüngermittelindustrie wird. Professor Kickuth, Göttingen, berichtet, dass von dem in der BRD verwendeten Stickstoffdünger ein erheblicher Anteil (50 Prozent und mehr) aus dem Boden ausgewaschen wird, weil der Humusgehalt und seine Festhaltefähigkeit schwindet. (Je größer der Dauerhumusgehalt, umso geringer die Auswaschungen).
 

Die Kunstdüngerauswaschungen führen auch zur Nitratbelastung unserer Gewässer
und zur mangelnden Vielfalt von Aminosäuren.


Jede Pflanze besitzt unzählig viele arteigene Eiweißstoffe, zu deren  Aufbau sie eine Fülle von verschiedensten Aminosäuren benötigt. In den biologisch aktiven Landwirtschaftsböden beliefert die Mikroflora die Wurzeln bereits mit einer Fülle organischer Verbindungen (auch Aminosäuren), aus denen die Gräser die Mannigfaltigkeit ihrer Eiweiße leicht herstellen können. Wird jedoch auf diese wunderbare Verwandlungskunst der Mikroflora verzichtet, wie dies bei der rein künstlichen Ernährung zutrifft, so verliert die Pflanze gleichsam ihren Rohstofflieferanten. Aus Kalkammonsalpeter (Salpetersäure Ionen und Ammoniak Ionen) allein kann die Pflanze nur wenige Arten von Aminosäuren, aber nicht deren große Vielfalt aufbauen. Jeder Laie weiß aber, dass Einseitigkeit der Ernährung bei Pflanze, Tier und Mensch zur Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlingen führt. Es ist also nicht nur unnatürlich, sondern auch unökonomisch, das wunderbare, gesunde und kostenlose Wirken der Mikroflora auszuschalten, auf diese Gottesgabe zu verzichten und an ihre Stelle allein die industrialisierte Chemie zu setzen.

Zudem werden aus den ausgebrachten Stickstoffdüngern pro Hektar und Jahr enorme Mengen an klimaschädlichen Gasen (z. B. LACHGAS – N2O) freigesetzt. N2O hat die 310-fache! Schadwirkung von CO2 in der Atmosphäre, was bei ca. 3% Lachgasproduktion pro kg Rein-Stickstoff einen wesentlichen Klimafaktor weltweit darstellt.

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