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Bei Schamanen in der Mongolei


Schamane beim Ritual, Foto: Gerhard Kirchmayr Schamaninnen in der Mongolei, Copyright by GPK
Schamaninnen in der Mongolei, Copyright by GPK
Unterwegs in der Steppe, Copyright by GPK
Unterwegs in der Steppe, Copyright by GPK
Jurtencamp in der Steppe, Copyright by GPK
Jurtencamp in der Steppe, Copyright by GPK
mongolischer Schamane, Copyright by GPK
mongolischer Schamane, Copyright by GPK
Weg in der Steppe, Copyright by GPK
Weg in der Steppe, Copyright by GPK
Verfasst von GERHARD P. KIRCHMAYR | 07.02.2010
Bei Schamanen in der Mongolei - Abenteuer in der mongolischen Steppe

Die Mongolei ist ein riesiges Land, 1.566.500 qkm , ca. 7 x so groß wie Deutschland mit nur 2,6 Mio. Einwohnern - das entspricht ca. einem halben Einwohner pro Quadratkilometer bzw. einem Einwohner pro 2 Quadratkilometer.

Wie man auch auf T-Shirts hier lesen kann, ist die Mongolei als Reiseland für Vegetarier nicht geeignet. Es heißt dort: The Mongolian says: Meat for Man, Grass for Animals. (Der Mongole sagt: Fleisch für Männer, Gras für Tiere).

Das ist verständlich, denn ein Großteil der Mongolen lebt nomadisch und ist meist nur ca. 1-2 Monate an einem Ort - zu kurz um etwas anzubauen. Weiters ist die warme Zeit im Sommer auf 3 - max. 4 Monate begrenzt, dann wird’s nach kurzer kühler Übergangszeit hier im Nordosten wirklich sehr kalt, im Durchschnitt minus 25 Grad! Das sind natürlich keine guten Voraussetzungen für Ackerbau. Also gibt’s zum Frühstück, Mittag und Abend nur Fleisch und Milchprodukte. In der Hauptstadt gibt es natürlich auch importiertes Obst und Gemüse.

Nach der Ankunft in Ulaan Baator, der Hauptstadt der Mongolei, in der ca. 1 Mio. Menschen wohnen, sollte es eigentlich weiter in die Wüste Gobi gehen, doch die "Schöpferische Quelle", "der Zufall" oder wie auch immer man es nennen will hatte andere Pläne mit uns.... Wir trafen in Ulaan Baator die Schwester des größten Schamanen der Mongolei - sie ist ebenfalls Schamanin und war "zufällig" in der Hauptstadt, anlässlich der Hochzeit einer Bekannten. Mein Freund und Reisebegleiter Robert, ein Ethnologe, unterhielt sich ausgiebig mit ihr und erfuhr, dass sie von einem Treffen der Schamanen nur für einige Tage wegen der Hochzeit in die Hauptstadt gekommen war. Robert fragte sie, ob wir zu dem Treffen der Schamanen kommen dürften. Sie verneinte. Außenstehende und auch noch Ausländer haben dort "keinen Zutritt". Robert lies aber nicht locker und nach mehr als 2 Stunden hatte er sie so weit, dass sie zumindest ihren Bruder, den obersten Schamanen, fragen wird ob wir an den Zeremonien und Ritualen teilnehmen können. Wir sollten einfach einmal hinkommen, alles Weitere wird dort geklärt. Dieses "einfach mal hinkommen" bedeutete eine ca. 3-tägige Reise von ca. 800km durch die Mongolische Steppe! Nachdem alle damit einverstanden waren zu den Schamanen zu fahren, verbrachten wir den Rest des Tages damit, alles Notwendige zu organisieren und fielen dann spät abends recht müde in unsere Betten.

Tags darauf verließen wir die Hauptstadt mit Toyota Landcruiser Geländewagen - mit ortskundigem Chauffeur und Dolmetscherin. Schon kurz nach der Stadtgrenze sieht man nur noch hie und da einige Häuser am Straßenrand und ferner Abseits einige Jurten als weiße Flecken in der weiten Landschaft. Sehr bald bekommt man einen ersten Eindruck von der Größe und Weite des Landes.

Nach ca. 150 km auf einer der ganz wenigen asphaltierten Strassen, wo wir je nach Straßenzustand zwischen 70 und 90km/h fahren konnten, biegen wir ab auf eine Schotterstrasse in ein kleines Tal. Es gibt hier keine Ortstafeln, Verkehrstafeln oder Wegweiser - entweder kennt man den Weg oder muss fragen und der Zustand der Straße begrenzt automatisch die Geschwindigkeit

Es wird alles langsamer, "entschleunigt" und doch tut sich mehr als bei uns mit Hektik, Stress und dem ganzen "immer mehr und mehr und immer schneller und schneller".....

Nach einiger Zeit fahren wir über einen niedrigen Pass und vor uns erstreckt sich eine schier endlos erscheinende Ebene, sehr weit links und rechts und in ganz weiter Ferne vor uns von sanften Hügeln begrenzt. Weit und breit nur Natur - wie ein grüner Teppich liegt das kurze Steppengras in der Ebene und auf den Bergen, nur durch einige weiße Punkte - die Jurten - und einige dunkle Punkte bzw. Flecke -Vieherden und Einzeltiere - unterbrochen.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob wir mehr als einen Tag bräuchten um bis ans Ende dieser weiten, endlos scheinenden Ebene zu kommen. Während wir dahinfahren sauge ich die Landschaft in mir auf wie ein trockener Schwamm das Wasser, immer wieder fasziniert von dieser scheinbar endlosen Weite, der Stille und dem Frieden.

Nichts Technisches weit und breit, nur hier und da sieht man eine Jurte sowie einige kleine Herden - Pferde, Schafe, Ziegen oder Jak`s. Während ich so die Landschaft in mich aufnehme bemerke ich, dass wir wieder bergauf fahren, über einen kleinen Pass. Vor uns erstreckt sich eine neue schier endlos erscheinende Ebene. "Komisch", dachte ich mir, "es sah doch so weit aus ... und jetzt sind wir schon da!?" Zeit verliert hier ihre Bedeutung, es scheint mir sogar, dass hier eine gewisse Zeitlosigkeit herrscht! Obwohl diese Ebene, die genauso endlos erscheint, sehr ähnlich ausschaut wie die vorige, ist sie doch anders. Obwohl es mir auch irgendwie zeitmäßig eigentlich unmöglich vorkommt, fahren wir noch durch einige dieser endlose Ebenen, kommen dann in ein etwas höher gelegenes, leicht bewaldetes Gebiet und haben unser erstes "Ger-Camp" (Jurten Camp) erreicht, wo wir übernachten.

Die Menschen hier im Lande sind sehr nett, sehr hilfsbereit und sehr gastfreundlich. Alles ist sehr einfach und zweckmäßig! Ich bewundere ihre strahlend weißen Zähne und unsinnigerweise denke ich mir, ich sollte sie mal fragen welche Zahnpasta sie verwenden.
Die Sonne verschwindet hinter den Hügeln und es wird etwas kühler und frischer. Beim Abendessen spreche ich unsere Dolmetscherin darauf an. Sie lacht... Ihr, die in der Hauptstadt wohnt, sind Zahnbürste und Zahnpasta bekannt, die meisten hier draußen kennen so etwas nicht einmal, geschweige denn haben sie so etwas!

Auch Wasser ist meistens ziemlich rar - mit der Wassermenge die wir, bei uns in der "Zivilisation", mit einer einzigen Klospülung in den Kanal befördern, kommt eine mehrköpfige Familie hier locker einen Tag oder auch länger aus!

Ich habe aber während der ganzen Reise keinen einzigen Menschen von hier getroffen der einen unangenehmen Körpergeruch hatte!

Wenn ich dagegen zu Hause in Wien in der U-Bahn fahre sind dort sehr viele eher unangenehm riechende Menschen, obwohl die sich wahrscheinlich täglich mit der zigfachen Wassermenge reinigen - oder es zumindest versuchen.

Auch die Hunde - wunderschöne Tiere - denen ich während der Reise begegnete, waren völlig geruchlos, hatten ein schönes glänzendes Fell und klare leuchtende Augen. Sie hatten keinen "Mundgeruch" und schöne kräftige Zähne!

Wenn ich da an die meisten Hunde hier bei uns denke , die mit dem angeblich so guten Trockenfutter und Vitaminen, Zusätzen und sonstigen "Spezial-Sachen" gefüttert werden, wird mir ganz schlecht vom Gedanken an den Mundgeruch dieser Tiere. So wie die aus dem Maul stinken, müssten sie innerlich eigentlich schon ganz verfault sein.

Nach einem einfachen doch sehr gutem Nachtmahl lege ich mich noch etwas abseits der Jurten auf den noch warmen Steppenboden und betrachte fasziniert den Sternenhimmel. Die Luft ist ganz rein und kühl, der Himmel ist ganz klar, die Sterne sind riesengroß. Es sind hier soviel mehr Sterne sichtbar als bei uns und die Milchstraße ist deutlich wie ein leuchtendes, glitzerndes Diamantarmband über den Himmel gespannt. Fast jede Minute sieht man eine Sternschnuppe.
Der "Große Wagen" erscheint mir so niedrig am Himmel, zum greifen nahe, als müsste ich nur ein paar Schritte gehen und könnte ihn dann ergreifen.

Nur dreimal vorher in meinem Leben habe ich so einen wunderbaren Sternenhimmel erleben dürfen - einmal am Ayers Rock in Australien, einmal in Ägypten in der Wüste und im Hochland von Ost-Tibet.

Am zweiten Tag geht's ähnlich weiter wie am Tag davor und vor Mittag des dritten Tages haben wir unser Ziel, das Camp der Schamanen, erreicht. Der "Ober-Schamane" möchte am nächsten Tag mit jedem von uns sprechen, um mehr über uns und unsere Bewegtgründe zu erfahren und uns besser kennen zu lernen. Erst dann wird er seine Entscheidung treffen, ob wir den Ritualen und Zeremonien beiwohnen dürfen.

Nachdem ich meine Sachen in der mir zugewiesenen Jurte verstaut habe, beschließe ich die Zeit zu nützen und einen Spaziergang auf einen der naheliegenden Berge zu machen und lasse das Camp hinter mir. Auf der Bergspitze angekommen gehe ich noch ein Stück weiter auf der anderen Seite hinunter auf einen Hügel. Hinter mir der Berg, vor mir eine andere endlos weite baumlose grüne Ebene, über mir der klare tiefblaue wolkenfreie Himmel - Natur so weit das Auge reicht.

Die meisten Menschen würden wohl sagen: "Nichts zu sehen hier, lass uns verschwinden" ... und doch ist es dieses Nichts das ALLES ist! Ist es die spezielle Energie dieses Ortes oder die totale Abwesenheit unserer lauten, reizüberfluteten Zivilisation, oder, oder...? Ich weiß es nicht - wahrscheinlich eine Mischung von Allem. Anyway, es ist auch völlig bedeutungslos!
Die Zeit scheint still zu stehen, kein Lüftchen rührt sich. Es gibt kein Gestern und kein Morgen, nur diesen wunderbaren berührenden Augenblick, in dem nichts geschieht und doch auch alles auf einmal geschieht ohne das irgendetwas geschieht.

Tief beeindruckt von der Landschaft setze ich mich nieder. Der wunderbare Duft der vielen Kräuter auf der Wiese steigt in meine Nase. Es ist einfach überwältigend! Diese endlose Weite, die absolute Stille und der unbeschreibliche Frieden - selten habe ich mich so leicht, so geborgen, so beschützt, so wohl und so verbunden mit Allem gefühlt.

Ich ruhe ganz in mir. Nichts als endlose Weite ... Stille ... Frieden ... Freiheit und Grenzenlosigkeit. Pures "Sein" ... verbunden Sein mit Allem.

Ich sitze ganz still, ehrfürchtig staunend und überwältigt von dieser Schönheit. Ich wage es kaum zu atmen, um nicht die Magie dieses Augenblicks durch ein Geräusch zu stören. Tief berührt laufen mir einige Tränen der Rührung und Freude über die Wangen. Es ist so still, dass ich fast meine das Aufschlagen der Tränen am Boden zu hören.

Über mir am tiefblauen Himmel zieht ein großer Adler majestätisch seine Kreise. Ohne einen Flügelschlag gleitet er durch das reine klare Blau des Steppenhimmels ... Ist das Leben nicht schön? - Ja, das ist es!!! Das Leben ist unbeschreiblich schön!!! In meinem ganzen Körper schwingen diese Worte und ich erkenne: JA, das ist es! Das ist die Wahrheit, die einfach IST, wenn ich mir erlaube das Schöne, die Freude, den Frieden, die Freiheit und die Liebe zu erkennen, zu riechen, zu fühlen, zu sehen, zu SEIN! ... wenn ich bereit bin, das zu sein was ich in tiefster Essenz bin und das geschehen zu lassen, was geschehen will! Ich bin "im Fluss" - eins mit Allem!

Ich fühle unendliche Dankbarkeit in mir, dass ich das alles erleben darf!
An solchen Orten wird mir immer ganz stark die Verbindung zu "Mutter Erde" bewusst, diese Verbindung die so viele von uns vergessen haben. Auch wenn wir sie vergessen haben, sie währt ewig! ... und wenn wir sie so bewusst fühlen und erneuern und uns ihrer wieder gewahr werden, dann gibt sie uns eine unglaubliche, immense innere Kraft!
Aber ... ich denke schon wieder viel zu viel ... hier an diesem wunderbaren stillen Ort kommen mir sogar meine Gedanken schon "laut" vor und so beruhige ich meinen Geist wieder und mache meinen Kopf leer ... und genieße einfach! Sogar Gedanken wirken hier störend und fehl am Platz !
In der Stille liegt die Kraft !

Eine enorme Energie und unbändige Freude steigt in mir auf und strahlt von meinem Herz in jede Körperzelle aus. Ich spüre meinen Körper kaum mehr und fühle mich leicht, wie eine kleine Wolke am tiefblauen Himmel schwebend. Ich bin da und auch nicht da, ich bin alles, alles ist ich.
Hier kann ich jetzt ganz im Moment sein, ganz im Hier und Jetzt.

EINFACH SEIN und EINFACH FÜHLEN - in seiner reinsten Form.

Langsam merke ich, dass sich die Farben der Umgebung etwas verändern und ich spüre einen frischen Lufthauch. Die Sonne, die recht intensiv geschienen hat, ist hinter dem Berg verschwunden. Erst jetzt wird mir bewusst das ich etwa an die 7 Stunden hier gesessen bin ... es ist mir kaum länger als eine halbe Stunde vorgekommen! Ich hatte weder Hunger noch Durst obwohl ich außer ein wenig zum Frühstück an diesem Tag kaum etwas gegessen hatte und auch kaum was getrunken hatte .... (Und das obwohl ich sonst sehr darauf achte viel Wasser zu trinken und auch andere dazu anhalte.)

Ich stehe langsam auf ... ich fühle mich wunderbar und erfrischt, leicht und friedlich, voller Energie! Irgendwie möchte ich diesen wunderbaren Ort gar nicht verlassen!
Normalerweise müsste ich mich nach 7 Stunden in der gnadenlos brennenden Sonne, kein Baum weit und breit der Schatten spenden könnte und ohne zu trinken ziemlich ausgetrocknet fühlen, aber ich fühle mich frisch und erholt wie am Morgen.

Gut gelaunt mache ich mich freudig auf den Weg, ich schwebe fast zurück ins Camp, das ich in bei Anbruch der Dunkelheit erreiche, während der aufgehende Vollmond die Landschaft mit einem fahlen Licht überzieht.

Da ich so voller Energie bin, will ich mich eigentlich noch gar nicht schlafen legen und beschließe, mich etwas abseits der Jurte noch hinzulegen um die Sterne zu beobachten.
Wieder sehe ich viele Sternschnuppen und bei jeder Wünsche ich mir, dass ich so viel wie möglich von dieser wunderbaren Kraft und Energie dieses Ortes, viel von dieser absoluten Stille, dem unbeschreiblichen Frieden, der grenzenlosen Freiheit, der endlosen Weite und Unbegrenztheit mit nach Hause nehmen kann und es in unserer lauten, reizüberfluteten Zeit möglichst lange bewahren kann.

Am nächsten Tag hatten wir die Gespräche mit dem "Ober-Schamanen" und erhielten die Erlaubnis bei den Ritualen und Zeremonien dabei zu sein. War ja eigentlich auch gar nicht anders zu erwarten ... sonst wären wir ja nicht hier her "geführt" worden! Wir durften sogar fotografieren, allerdings nur ohne Blitz. Das hatte auch sein Gutes, da es in der Nacht ohne Blitz sinnlos ist zu fotografieren, konnten wir die Rituale, die auch fast die ganze Nacht hindurch gingen, unbeschwerter und authentischer erleben als ständig mit einer Kamera vor den Augen und dem Zwang gute Bilder machen zu müssen. Tagsüber und in der Dämmerung konnten wir dennoch sehr gute Aufnahmen von diesen beeindruckenden Erlebnissen machen.

Die Ausbildung zum Schamanen dauert hier 13 Jahre. Jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit kommen die Schamanen aus dem ganzen Land und aus den verschiedenen Volksgruppen an diesen speziellen Ort. Sogar burjatische Schamanen aus Sibirien kommen hierher. Fast die Hälfte sind weibliche Schamanen. Sie alle treffen sich hier um ihre Rituale und Zeremonien abzuhalten und Erfahrungen auszutauschen. Die in der Ausbildung stehenden Schamanen treffen sich hier mit ihren Lehrmeistern und müssen auch unter Beweis stellen, dass sie noch im Besitz ihrer Fähigkeiten sind. Zu diesem Zweck müssen sie in einem Ritual ihren "Schutzgeist" in sich holen und dann in einem 3 x 3m großen Feld, das ca. 10cm hoch mit zerbrochenen Flaschen bedeckt ist, barfuss tanzen. Wir haben uns nachher die Fußsohlen angesehen: Kein Kratzer und kein Blutstropfen war zu sehen. Einmal hat einen sehr jungen Schamanen offensichtlich sein Schutzgeist nach kurzem tanzen verlassen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und lautem Wehklagen stieg er aus dem Scherbenfeld. Noch tagelang sahen wir ihn im Camp herumhumpeln. Wenn ein Schamane in Ausbildung nicht den "Fähigkeitsnachweis" erbringen kann, darf er 1 Jahr lang nicht praktizieren und muss an sich selbst und seinen Fähigkeiten arbeiten bis er im nächsten Jahr wieder die Prüfung machen kann. Viele der Kinder sind von klein auf schon in die schamanischen Tätigkeiten eingebunden. Schamanen genießen hier ein sehr hohes Ansehen, vergleichbar mit einem Primar oder Arzt bei uns. Hier besteht auch keine Scheu zwischen diesen Berufsgruppen. Ärzte schicken Patienten zu Schamanen und Schamanen schicken Leute zu Ärzten, wenn sie glauben, dass ihnen dort besser geholfen werden kann.

Während ich diese Zeilen schreibe blicke ich auf die Uhr meines Laptops ...es ist drei Uhr in der Früh! ...ist mir gar nicht aufgefallen. Wo ist die Zeit nur hingekommen? Habe ich sie vertan mit dem verzweifelten Versuch Worte zu finden um das Unbeschreibliche zu beschreiben? ...Worte zu finden um diese unbeschreiblichen Gefühle der Einheit mit Euch zu teilen? ...oder habe ich mich einfach nur wieder in diese wunderbare Energie eingeklinkt, habe ich sie wieder her geholt, genossen, mich diesen Gefühlen hingegeben und darüber die Zeit vergessen? ...wahrscheinlich beides...

In der Zeit nach meiner Rückkehr in die Zivilisation, zu den sogenannten "Segnungen des Fortschritts" wird mir so richtig die Bedeutung des Wortes "Fortschritt" bewusst. In der deutschen Sprache bringen viele Worte die Dinge die sie bezeichnen genau auf den Punkt!
Fort - Schritt ...wir sind von der Natur, von der Schöpfung, von dieser wunderbaren Energie die uns mit Nichts Alles gibt fort-geschritten, wir haben uns von ihr fort, von ihr weg bewegt. Wir haben uns von ihr entfernt und versuchen nun mit allerlei künstlichen Dingen die viel Geld kosten, deren Produktion oft viel Natur zerstört, wieder in diesen wunderbaren verlorengegangenen Zustand zu kommen - auf diesem Weg aber ein Ding der Unmöglichkeit!!!

Wie formulierte es jemand so schön : "Wir arbeiten wie Sklaven, um uns mit dem erhaltenen Hungerlohn Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die wir eigentlich gar nicht mögen!" ...das ist der Fort - Schritt!

Die wunderbaren Menschen, die dort draußen in der Steppe leben, haben relativ wenig und sind doch glücklich und zufrieden. Ich habe dort keinen einzigen Menschen im Stress gesehen! Jeder tut einfach ganz ruhig und gemütlich was getan werden soll! ...kein lautes Wort, keine Aggression... und alles funktioniert bestens!

Dort draußen in der Steppe wurde mir - wieder einmal - bewusst, wie wenig man eigentlich braucht, um wirklich glücklich zu sein !

Jedenfalls braucht man nichts von dem, was uns die Werbung hier als so unentbehrlich einredet!
Diese Zeit, die ich in der Steppe und mit den Schamanen verbrachte, war eine absolut tolle, lebensverändernde Erfahrung.

Gott sei Dank muss ich jetzt nicht lange hier in der Zivilisation bleiben, denn morgen verlasse ich diese so "Fortschrittliche Welt" wieder und fliege für einige Zeit auf eine kleine Insel nach Griechenland...

GERHARD GPK